Gemälde und Worte, die unter die Haut gehen
Von: Sandra Kinkel

Cilly Baum, Elke Mertens, Barbara Irmen und Gudrun Bergmann 
haben sich künstlerisch mit dem Thema Gewalt an Frauen auseinandergesetzt: . Foto: Sandra Kinkel

Emma könnte auch Maria heißen. Oder Petra. Sie könnte in Düren wohnen, aber auch in Istanbul oder irgendwo in Afrika. Emma ist ein Opfer häuslicher Gewalt. Gewalt, die sie viele Jahrzehnte lang ausgehalten hat, die sie in eine Drogenabhängigkeit gestürzt haben, bis zu dem Tag, als Emma gegangen ist.

Emma ist Gegenstand eines ungewöhnlichen Kunstprojektes von Cilly Baum, Gudrun Bergmann, Barbara Irmen und Elke Mertens, die allesamt „Freie Kunst” an der Akademie für Bildende Kunst Nordrhein-Westfalen in Lendersdorf studieren.

Elke Mertens ist neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch noch Vorstandsmitglied bei „Frauen helfen Frauen”, einem Verein, der unter anderem Frauen hilft, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. „Frauen helfen Frauen” feiert im November sein 30-jähriges Bestehen, Anlass genug für Elke Mertens, ihre Kolleginnen von der Kunstakademie zu bitten, Bilder und Objekte zum Thema „Gewalt an Frauen” anzufertigen.

Entstanden sind rund 40 Gemälde und Skulpturen, die ab Mitte November 2011 im „Komm”-Zentrum in Düren gezeigt werden. Ziel der vier Künstlerinnen war es, ihre individuellen Arbeiten in einer gemeinsamen Konzeption zu einem stimmigen Ganzen zu bringen. Die vier Künstlerinnen haben sich bemüht, von Emmas Geburt bis hin zu deren Ausbruch, also Emmas Hoffnung, alle wichtigen Lebenspunkte in ihren Arbeiten festzuhalten. Kontroverse Diskussionen über die Darstellungen von Tatort, Opfer und Täter beherrschten wochenlang das Atelier.

„Es war für mich schon neu”, so Barbara Irmen, „mich so intensiv mit diesem schwierigen Thema zu beschäftigen. Und die Arbeit hat mich phasenweise auch sehr bewegt.” Und Elke Mertens ergänzt: „Ich setze mich durch meine Arbeit bei Frauen helfen Frauen schon lange mit dem Thema auseinander. Mit hilft die Malerei, das Erlebte zu verarbeiten.”

Cilly Baum hat zusätzlich zu ihren Bildern noch den Text „Emmas Geschichte” geschrieben, den die vier Frauen bei einer Lesung zu der Ausstellung auch gemeinsam vortragen werden. Bei der Geschichte geht es um Gewalt, Ausgrenzung und Anderssein, die kurzen Sätze mit einer sehr klaren Sprache gehen unter die Haut und lassen sehr viel Raum für die eigenen Gedanken und Gefühle. Cilly Baum: „Die Emma in meiner Geschichte hat viele Facetten und viele Gesichter. Ich habe bewusst, so eine harte Sprache gewählt, weil es bei unserem Thema wirklich nichts zu beschönigen gibt.”

Spannende Lesung am 25. November 2011 im „Komm”

 

© 2016 Horst Mertens