Bildentstehung

 

Meine Arbeitsweise ist gekennzeichnet durch einen Beginn, einen Augenblick,

in dem mir etwas auffällt, mich etwas beschäftigt.

So prägen mich Erlebnisse mit Menschen, Reisen, aktuelles Zeitgeschehen,

sowie die Natur, die für mich der größte Künstler überhaupt ist.

Es beginnt ein stiller Dialog in mir.

Langsam entsteht eine Vorstellung von Material Größe und Farbigkeit.

Ich beginne dann mit dem geplanten Material, aber oft entsteht eine

Eigendynamik und das Bild entwickelt sich während des Malprozesses

in eine ganz neue Richtung.

Im Grunde ist dies die Fortsetzung des vorangegangenen gedanklichen

Prozesses, nur eben mit malerischen Mitteln.

Diese Arbeitsweise macht für mich auch das "Prozesshafte"

unseres Daseins sichtbar.

 

Die Arbeit mit Spachtelmassen und diversen anderen Materialien,

ob auf Leinwand, Hartfaserplatten oder anderen Untergründen, hat für mich

eine hohe sinnliche Qualität. Sie eröffnet mir eine haptische, stoffliche Seite

der Malerei.

Das Arbeiten mit diesem Material bedeutet auch die Bereitschaft, sich

auf bildnerische Prozesse einzulassen, dort wo das Material selbst mitgestaltet.

So entstehen Aufbrüche, Risse und Schrunden, die Oberfläche ist nicht mehr

glatt, sondern beginnt zu leben, hat Höhen und Tiefen, wirkt offenporig.

 

Dieses Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien, und somit das

Einlassen auf das Unvorhersehbare, macht  den Malprozesse ungeheuer

spannend und faszinierend. Es lockt  mich teils aus meiner Reserve und hat

für mich eine Analogie zu den Lebenesprozessen, die wir alle durchlaufen.

 

Elke Mertens 

© 2016 Horst Mertens